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Nicht dass ihr mich falsch versteht. Es geht mir gut. Es geht mir sehr gut. Es geht mir wirklich bestens. Meistens zumindest.
Doch manchmal, ja manchmal, da kommen sie. Da kommen die Stimmen. Die Stimmen kommen.
Sie kommen in meinen Kopf und reden. Und pflanzen mir diese Gedanken ein. Diese Gedanken, die da nicht sein sollten.
Aber das ist okay. Sie kamen schon immer. Nur manchmal kommen sie eben öfter. Und manchmal seltener.
Und manchmal darf es einfach keiner wissen, dass sie da sind.

Jetzt ist es anders. Es ist okay, wenn sie kommen. Es ist nicht schön. Aber es ist okay. Ich muss es nicht mehr geheim halten.
Ich darf die Stimmen anhören und schreiben, aufschreiben was sie sagen. Oder zumindest darüber schreiben, dass sie etwas sagen.
Ich muss nicht mehr schweigen. Ich muss nicht mehr so tun, als gäbe es sie nicht.

Manchmal,ja manchmal, manchmal, wenn sie da sind, will irgendetwas in mir um Hilfe rufen. Es will herausschreien, dass da diese Stimmen sind.
Diese Stimmen, die mich gefangen nehmen. Diese Stimmen, die mich voll in ihrer Gewalt haben. Es will rufen "Helft mir! Seht ihr nicht,
was mit mir passiert? Seht ihr es nicht? Bitte helft mir, ich brauche Hilfe".
Doch ich lasse es nicht heraus. Ich unterdrücke es. Bewusst. Weil ich weiß, dass das nicht ich bin. Ich rufe nicht nach Hilfe.
Ich muss nicht nach Hilfe rufen. Es geht mir gut. Nur sollte ich es. Ich sollte nach Hilfe rufen. Weil etwas mit mir nicht stimmt.
Weil ich krank bin, sagen die anderen. Weil ich anders bin. Weil ich verrückt bin. Weil ich seltsam bin.


Aber ich möchte keine Hilfe. Ich brauche keine Hilfe. Diese Stimmen gehören zu mir, sie sind ein Teil von mir. Ich habe keine Angst vor ihnen.
Sie begleiten mich, ja manchmal helfen sie mir sogar. Ich mag sie. Ich mag es wenn ich schreiben kann. Wenn es einfach fließt, wenn all diese
Wörter und Gedanken einfach aus mir herausfließen. Wenn sie in die Tasten fließen, wenn sie die Tasten drücken, wenn sie die Texte tippen.


Es ist dieser seltsame Stil, den ich nicht imitieren kann. Den ich nicht erzwingen kann, so sehr ich mich auch anstrenge. Meine Muse,
meine Inspiration, mein wertvollstes Gut.

Wie oft hatte ich diese Anfälle und durfte sie nicht leben? Diese Anfälle von Schreibwut, von Melancholie und Panik, die ich nicht ausleben durfte.
Die Panik, die lähmte, die jedes klare Denken verhinderte. Was in mir vorging passierte hinter verschlossener Tür. Ich konnte nie jemandem
davon erzählen. Ich durfte es nicht.
Jetzt ist da niemand mehr. Niemand mehr, der mich kontrolliert. Der es mir verbietet, dass die Stimmen kommen. Der es mir verbietet, mit ihnen
zu reden. Der mir sagt, ich müsste sie loswerden. Der Angst um mich hat, weil er mich nicht mehr wiedererkennt.


Seht ihr nicht, dass ich frei bin? Könnt ihr es nicht sehen? Könnt ihr es nicht sehen, dass ich frei bin?
26.4.12 20:28
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Jules / Website (26.4.12 23:40)
Schreibwut gehört wohl zu den kreativsten, besten Dingen, die Leuten passieren können, die gerne schreiben, und du schreibst verdammt ergreifend, also lass es fließen.

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